Was passiert im Juni?
Der Juni ist für Züchterinnen und Züchter einer der intensivsten Monate im Jahr. Auf den Feldern steht die Ährenbildung und damit die Ausdifferenzierung vieler Eigenschaften im Vordergrund. Jetzt zeigt sich, welche Linien mit Stress – etwa Trockenheit, Hitze oder Schädlingsdruck – gut zurechtkommen. Entsprechend wichtig sind die sogenannten Bonituren: Züchter erfassen Merkmale wie Standfestigkeit, Blühzeitpunkt oder Befallsdruck durch Pilzkrankheiten. Diese Daten werden digital direkt vor Ort erfasst und später zusammengeführt, sodass die Entwicklung jeder Linie präzise dokumentiert ist. Teilweise kommen auch Drohnen zum Einsatz, um Felder aus der Luft zu beobachten und Stress oder Krankheiten frühzeitig zu erkennen.
Parallel dazu finden Kreuzungen im Sommerzyklus statt. Bei Sommergerste oder Sommerhafer laufen jetzt gezielte Bestäubungen im Feld oder unter kontrollierten Bedingungen. Auch Rückkreuzungen – bei denen Pflanzen mit ihren „Elternlinien“ erneut gekreuzt werden – helfen, gewünschte Merkmale zu festigen oder zu verbessern.
Im Gewächshaus wird an der sogenannten Sommergeneration gearbeitet: Pflanzen, die durch gezielte Steuerung von Licht, Temperatur und Nährstoffversorgung früher als unter natürlichen Bedingungen blühen, erreichen jetzt ihre Blüte und werden zur Kreuzung oder Selektion genutzt. Bei Wintergetreide wird vorher außerdem eine Kältebehandlung (Vernalisation) durchgeführt, damit die Pflanzen „den Winter erleben“ und anschließend frühzeitig blühen. Dieser parallele Ablauf von Freiland- und Gewächshausarbeit erlaubt es, zwei bis drei Generationen pro Jahr zu durchlaufen – ein entscheidender Zeitvorteil im globalen Wettbewerb.












