Was passiert im Mai?

Im Mai erreicht das Pflanzenwachstum einen ersten Höhepunkt: Viele Getreidearten stehen kurz vor der Ährenbildung oder sind bereits in der Blüte. Diese Phase ist besonders sensibel – und zentral für die aktive Züchtungsarbeit. Bei Wintergetreide beginnt jetzt die Kreuzungssaison im Freiland. Dazu werden die Antheren (Staubbeutel) der Mutterpflanzen entfernt und anschließend der Pollen einer ausgewählten Vaterpflanze mit einem Pinsel aufgetragen. Um unerwünschte Fremdbestäubung zu verhindern, werden die Blüten nach der Bestäubung mit Papier- oder Gazetüten abgedeckt. Das ist wichtig, weil nur so die genetische Reinheit der Kreuzung erhalten bleibt und die Nachkommen exakt die gewünschten Eigenschaften der Elternlinien zeigen.

In Zuchtgärten und Gewächshäusern wird die Sommergeneration ausgepflanzt – insbesondere bei Verfahren wie der doppelhaploiden Technik (DH-Produktion), wo Jungpflanzen aus Mikrosporen zu fertigen Pflanzen heranwachsen. Diese Methoden beschleunigen die Züchtung, weil genetisch stabile Linien schon nach einer Generation entstehen.

Ein weiterer Schwerpunkt im Mai ist die Selektion: Züchterinnen und Züchter beurteilen ihre Linien auf Basis äußerlicher Merkmale, etwa gleichmäßiger Wuchs, frühe Reife oder Resistenz gegen Krankheiten. Linien, die nicht überzeugen, werden frühzeitig aussortiert. Diese Vorentscheidungen sind entscheidend – denn mit jeder Auswahl wird die genetische Kombination in Richtung der gewünschten Zuchtziele weiterentwickelt.